Virtuos virtuell wirken: 5 Erfolgsstrategien für Remote Führende

CHRISTIAN THIELE

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Letzte Woche habe ich über die größten Herausforderungen für virtuell Führende und Geführte geschrieben, von denen ich in meinen Coachings, Workshops, Webinaren mitbekomme. Hier nun fünf Erfolgsrezepte aus der Positive Leadership, wissenschaftlich hinterlegt und messbar – und doch ganz praktisch umsetzbar, mit denen Chef*innen auch auf Distanz Nähe herstellen, auch in ungewissen Zeiten Zuversicht vermitteln können. In der Selbstführung, um andere zu führen, in der Verantwortung für Organisationen.

Positivität pushen

Gerade in Remote-Teams, gerade, wenn sie erst durch den Lockdown in die Distanz-Kooperation gezwungen wurden, gerade in diesen Zeiten der Corona-Pandemie, kann sich eine virale Negativität breit machen. Wirtschaftliche und gesundheitliche Sorgen werden mehr, die Kraftquellen wie der Skiurlaub rücken weiter in die Ferne. Frust, Ärger, Angst und andere negative Empfindungen machen – das hat die amerikanische Emotionsforscherin Barbara Fredrickson nachgewiesen – unser Fühlen, Denken, Handeln eng. Wer positive Emotionen wie Gelassenheit, Interesse oder Freude hingegen stärken kann, weitet seine kognitiven und sozialen Ressourcen und erholt sich schneller von Rückschlägen und frustrierenden Erlebnissen. 

Wenn Sie als Chef*in Genuss, Freude, Zuversicht kultivieren und verbreiten, dann fühlt sich das also nicht nur gut an – Sie machen damit auch Meetings effizienter, die Zusammenarbeit und Kommunikation wirksamer, es kann günstige Auswirkungen auf die Krankenstände haben etc. Positivität als strategische Ressource fördern – das ist in diesen Zeiten der wichtigere und wirksamere Teil der Führungsaufgabe als hier noch in einen virtuellen Termin zu asten und da noch ein paar KPIs zu überprüfen. 

Wie das gehen könnte? Na, zum Beispiel, indem Sie

  • Besprechungen mit einer What-went-well-Runde starten
  • Erfolg und Fortschritt sichtbar machen
  • ein virtuelles Gin-Tasting, Glühwein-Event oder eine Plätzchen-Challenge abhalten
  • so ehrlich wie nötig, aber auch so zuversichtlich wie möglich die aktuelle Lage aus Ihrer Sicht kommunizieren.

Stärken stärken

Wie gut kennen Sie Ihre Stärken – und die Ihrer Kolleg*innen, Mitarbeitenden und Vorgesetzten? Die meisten Menschen geraten da in Verlegenheit. Werden wir doch ab Schulzeiten eher auf das Defizit sozialisiert, auf das was noch fehlt. Aber wer Stärken kennt, wertschätzt, stärkt, für sich und andere, der arbeitet effizienter, leistungsfähiger, motivierter. Was Stärken sind und bringen, wie Sie eigene Stärken und die anderer mehr in Wirkung bringen können, dazu ist in den letzten Jahren viel geforscht worden. Darüber habe ich mein letztes Buch geschrieben, darum geht's in einer meiner Podcastfolgen. Und natürlich gehört dazu auch ein konstruktiver Umgang mit Schwächen – damit diese weniger relevant werden.

Wie Stärken stärken? Etwa so:

  • den kostenlosen via-Charakterstärkentest machen
  • konsequent und dezidiert nach Stärken loben, delegieren, Stellen ausschreiben
  • zum Jahresausklang oder -start einen Stärken-Workshop mit Ihrem Team machen
  • Bedrohliche Schwächen durch Delegation, Umverteilung, Upskilling auf ein "Passt scho"-Niveau bringen – oder mit Stärken kompensieren

Verbindungen vertiefen

Wir Menschen sind Rudelwesen, Anschluss an andere ist ein dermaßen existenzielles Grundbedürfnis, dass erste Regierungen schon Ministerien zur Bekämpfung der gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit gegründet haben. Die Isolation, die fehlende informelle Kommunikation in der Teeküche, das ist der Faktor, der in den meisten Teams und Organisationen am stärksten beklagt wird, die frisch in die virtuelle Zusammenarbeit gestartet sind. Wie lässt sich dennoch so etwas wie virtuelle Wir-ologie herstellen? Sie sollten sich als Führungskraft Zeit dafür nehmen, das ist im Zweifelsfall wichtiger als dieses noch nachzukontrollieren und jeneN zu überprüfen. Und geht genau wie?

Zum Beispiel, indem Sie

  • dafür Sorge tragen, dass Meetings effizient vorbereitet, geleitet und nachgearbeitet werden statt zu frustrierenden Kaugummi-Veranstaltungen verkommen wie leider so häufig so üblich 
  • Klarheit vorleben, fördern und fordern über Erreichbarkeiten und Nichterreichbarkeiten
  • sicherstellen, dass die Mitarbeiter Spielregeln dazu aufstellen, wer wann was wie über welchen Kooperations- und Kommunikationskanal teilt, beantwortet, ablegt etc.
  • Vertrauen verstehen, verstärken, reparieren – und ein gutes Maß zwischen Lässigkeit und Vernachlässigung, zwischen Hinschauen und Helikoptern finden
  • bewusst Aufgaben, die eigentlich auch Einzelne erledigen könnten, an Tandems oder Trios vergeben
  • regelmäßige Hörstunden einrichten, in denen Ihre Mitarbeiter Ihnen einfach nur mal erzählen, wie es ihnen gerade so geht – und Sie einfach nur empfangen statt wie sonst so häufig senden 
  • Lob, Anerkennung, Komplimente von Kunden, Lieferanten, Partner weitergeben an die Beteiligten
  • Boxenstopps, Maßnahmen zur Teamentwicklung, Team-Events oder ähnliches veranstalten, remote oder – wenn möglich und legal – in Präsenz 

Sinn sehen und säen

Wer ein Wofür zu arbeiten hat, erträgt zumindest eine Weile lang so ziemlich jedes Wie. So könnte ließe sich Viktor Frankl sehr frei zitieren. Es motiviert und fördert die Leistung der Belegschaft ungemein, wenn Sie

  • immer wieder erklären, wer was von der Arbeit Ihrer Organisation, Ihres Teams etc. hat, wessen Arbeit Sie damit besser machen
  • Veränderungen, Innovationen erklären und begründen
  • eigene oder Initiativen der Belegschaft für den Umweltschutz, soziale Belange oder in einer anderen Weise für das Gemeinwohl in der Freizeit stärken und unterstützen – denn nicht jedeR Mitarbeiter*in kann in jedem Team in jeder Firma immer nur von früh bis spät die Welt oder das Klima oder die Menschenrechte retten

Weiterkommen wahrnehmen & wertschätzen

Mal ehrlich: In Schulnoten, von 1 bis 6, wie gut sind Sie darin, Erfolg, Weiterkommen, Fortschritt zu sehen und zu wertschätzen? Wie gut ist Ihre Organisation darin? #merksteselbst... 

Denn Säule Nummer fünf des Perma-Konzeptes von Martin Seligman, um Wohlbefinden zu stärken: accomplishment. Also das Anstreben, Erreichen und Feiern von Erfolgen. Wie klein oder groß, wie sichtbar oder versteckt sichtbar auch immer diese sein mögen.

  • Weiterkommen und Fortschritt ist schwer möglich, wenn Mitarbeiter*innen keine vernünftige Ausstattung und Technik im HomeOffice haben, oder wenn sie diese haben und nicht bedienen können. Dafür zu sorgen: eine extrem wichtige Führungsaufgabe! Notfalls, indem die Leute ihre bequemen Bürostühle und Bildschirme mit heim nehmen dürfen!

  • Machen Sie sich selbst Erfolge schon allein dadurch sichtbar, indem Sie sich erinnern: Wo standen wir da noch vor einem Jahr/einem Monat?

  • Betreiben Sie kritische Erfolgsanalyse, schauen Sie nicht nur gründlich auf die Mäkel an Misserfolgen, sondern ermuntern Sie dazu, Gelingendes möglichst genau zu untersuchen: Wie haben wir das geschafft, was war dafür hilfreich? Nur dann wird Erfolg replizierbar und bleibt nicht mehr Zufallskonstellation.  

  • Werfen Sie am Ende dieses für Viele unnormalen Jahres einen wohlwollenden Blick auf die eigene Arbeit und die anderer: Was an vielen Stellen geleistet wurde, wurde unter Ausnahmezuständen erreicht, mit rotznasigen Kindern am Küchentisch, mit ruckeligem WLAN, mit asthmatischer und deshalb dauerpanischer Schwiegermutter und und und. Und ohne die sonst üblichen Auftankquellen. Klopfen Sie also vor allem laut und wahrnehmbar auf die Schultern, sich selbst und den von Ihnen Geführten – egal ob die üblichen Zielvorgaben erreicht wurden oder nicht.

Wenn Sie mehr wissen wollen

Hier einige Angebote von mir, wenn Sie mehr von mir zu positive Leadership hören, lesen, wissen, erleben wollen:

🎧 In der aktuellen Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ geht es um Positive Leadership bei LIDL Österreich. (Der Podcast und ich freuen uns übrigens über Abos und freundliche Bewertungen!)

🚀 Mein Gratis-E-Book „Mehr Glück im Job” – hier eintragen.

🖥 Zu meinen nächsten Terminen geht’s hier.

Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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