Die Informationsflut bewältigen – Strategien für Führende

CHRISTIAN THIELE

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Sieht Ihr Tag auch so aus? Nach dem Aufstehen betteln Fantastilliarden ungelesener Mails um Aufmerksamkeit. Deutschlandfunk auf dem Weg zur Espresso-Maschine. Tageszeitung und/oder ein paar Dutzend Browserfenster beim Morgenkaffee abarbeiten. Welchen Podcast zum Duschen hören? Auf dem Weg in die Arbeit das Hörbuch von gestern, in 2,5-facher Geschwindigkeit. Oder doch den Online-Kurs fortführen? Welchen eigentlich, den neuen oder den alten? Und so weiter und so fort.

Viele Führende, mit denen ich zu tun habe, stehen von Früh bis Spät im Dauerfeuer an Informationen. Haben das Gefühl, in einer Flut aus Newslettern, Zeitungen, Social-Media-Posts, Whatsapps, Anrufen zu – pardon: ersaufen. Nicht zu vergessen die Briefe und Faxe, die gibts ja auch noch gelegentlich. „Erst recht in diesen Zeiten“ zu schreiben, ist eine Floskel geworden. Aber hier verweise ich dennoch drauf, dass in Corona-Zeiten die Verdichtung des Arbeitstages und die Überhäufung mit Daten für Viele zugenommen hat – auch weil die tote Zeit für Reisen, Warten, Pendeln häufig weniger geworden ist.

  • Was sind die Ursachen – und was Folgen dieser Information overload?
  • Wie erkenne ich sie an mir?
  • Und wie kann ich sie bewältigen?

Darum geht’s in diesem Beitrag.

Woher kommt die Informationsüberflutung?

Da ist einerseits die Digitalisierung, sie versorgt uns mit einem medialen Dauerstrom an Daten: Jede Sekunde werden 6000 Tweets über Twitter herausgezwitschert, jede Minute werden 400 Stunden an neuem Material auf YouTube gestellt, Tag für Tag gehen 103.000.000 Spam-Mails irgendwo ein – von den CC-Mails ganz zu schweigen... 

Andererseits konnte man sich auch schon zu Guttenbergs Zeiten überfressen an Information. Denn unsere Neugier und unsere Unfähigkeit oder unser Unwillen, Filter einzubauen, sind der eigentliche Grund für das Gefühl, in mehr oder weniger nützlichem Wissen zu ertrinken, Digitalisierung hin oder her. 

Was sind die Folgen der Information overload? 

Schon vor 50 Jahren schrieb der Zukunftsforscher Alvin Tofler in seinem Bestseller "Future Shock":

Just as the body cracks under the strain of environmental overstimulation, the “mind” and its decision processes behave erratically when overloaded.

Das damals vorherrschende Bild vom Gehirn als Computer, genauer gesagt: als Festplatte, die irgendwann voll ist, ist zwar längst widerlegt. Denn unser Gehirn kann immer neue Verschaltungen bilden, immer dazu lernen, es tut sich mit der dritten Fremdsprache nicht schwerer als mit der zweiten, sondern leichter – und mit der vierten, sechsten oder achten erst recht.

Dennoch gibt es durchaus kollektive Folgen von – gefühlter oder tatsächlicher – Informationsüberlastung, wie etwa:

  • Fehlentscheidungen mit zum Teil tödlichen Folgen, wie die US-Armee in Studien herausgefunden hat
  • das Übersehen von kritischer Informationen, was Forscher mit dem Begriff der „begrenzten Aufmerksamkeit“ bezeichnen – die Kreditblase zu Beginn der Finanzkrise 2007/08 ist dafür nur ein Beispiel 

Schlechte Stimmung, Gereiztheit, Konflikte, sinkende Produktivität, Hypersensibilität oder Abstumpfung bis hin zu totalem Rückzug aus dem öffentlichen Diskurs sind nur einige der individuellen Folgen von information overload. 

Kurzum: Nicht nur ich selbst habe etwas davon, wenn ich den Datenschwall zu kanalisieren weiß, der auf mich einströmt. Auch mein Umfeld profitiert von größerer Medien- und Informationskompetenz. Und dazu nun ein paar Anregungen:

Was kann gegen die Infodemie helfen?

Hier nun einige Strategien gegen die Informationsüberflutung – für Führende, aber nicht nur:

  • Dass sich Browser-Fenster schließen, Mailprogramme und -benachrichtigungen abschalten lassen, der Flugmodus einstellen lässt – das hat man Ihnen schon gesagt, oder? Ich zumindest weiß das – und vergesse es doch allzuoft...
  • Bringen Sie sich in Bewegung, wenn Ihnen der Kopf schwirrt! Fokussieren Sie sich auf den Atem! Kommen Sie mit Ihrem Leib in Kontakt! 
  • Haben Sie Mut zum Abbruch, zum Unvollständigen! Sie müssen nicht jeden Newsletter bis ganz nach unten scrollen, jedes Buch bis zum Rückdeckel lesen.  Umarmen Sie Fomo („Fear of missing out“, auf deutsch in etwa: Verpassensangst), seien Sie Pareto! Ich sage nur: 400 neue Stunden YouTube-Material pro Minute!!!
  • „Ich lese seit Jahren keine Zeitungen mehr“, brüsten sich manche Menschen. Ich halte eine solche Informationsabstinenz für unpolitisch und unverantwortlich, aaaaaaber: Schonzeiten einzulegen, Kanäle und Rituale für die eigene Information zu pflegen ist eine gute Idee!
  • Verschaffen Sie sich immer wieder positive Emotionen wie Freude, Freundschaft, Gelassenheit, und begrenzen Sie die Zahl der Negativ-Nachrichten. Nicht nur, weil sich das schön anfühlt, sondern weil uns das auch leistungsfähiger, resilienter, kreativer macht – darüber habe ich neulich an anderer Stelle geschrieben.
  • Wofür lese ich, was ich gerade lese? Was will ich aus dem Podcast, den ich höre, lerne? Was will ich aus diesem – ja genau: DIESEM Blogpost mitnehmen und umsetzen? Was ist der nächste wichtige Schritt in meinem (Berufs-)Leben, was ist dafür hilfreich – und was nicht? Solcherlei Fragen nach dem Wofür können helfen, das wahllose Informations-Bingen zu kanalisieren.
  • Neugier, Wissensdurst oder Liebe zum Lernen sind eigentlich Stärken – einerseits. Aber sie können auch aus einem Gefühl von Unzulänglichkeit, aus einer Unersättlichkeit herrühren: Was erwarte ich von mir? Was erwarten die anderen von mir? Wie will ich mit diesen Erwartungen umgehen? Welche will ich erfüllen, welche will ich nicht erfüllen? Auf solche Fragen kann Coaching Antworten finden helfen (ich spreche darüber unter anderem in der aktuellen Folge meines Podcasts „Positiv Führen“).
  • Und neben all den individuellen Strategien: Wir Menschen sind durch und durch Sozialwesen, überlegen Sie also auch, wie andere Sie von der Informationsüberflutung entlasten können. Geben Sie ab, delegieren Sie, bitten Sie um Hilfe!

Wenn Sie mehr wissen wollen...

Wie geht es Ihnen mit diesen Impulsen? Ich freue mich über Kommentare und Rückmeldungen. Und falls Sie sich fragen, was ich eigentlich beruflich so mache: Ich unterstütze Teams und Führende auf dem Weg zu mehr Leistungsfähigkeit, Freude und MIteinander. Mit Coachings, Teamworkshops und Vorträgen, mal in Präsenz, mal virtuell. Daher hier noch ein bisschen Werbeeinblendung für meine Angebote:

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Was heißt Positive Leadership in turbulenten Zeiten? Was stresst, was fordert, was überfordert, Sie und Eure Mitarbeiter? Ich habe dazu mit einigen Führungskräften gesprochen. Und sie auch gefragt, was gut funktioniert, was hilfreich war und ist. Und was bleiben soll für später – wie und wann auch immer die Corona-Krise zu Ende sein wird. Außerdem erkläre ich das SCARF-Modell von David Rock. Alles in der neuen Folge von „Positiv führen", meinem Podcast zu Positive Leadership – für mehr Leistung 📈, Motivation💡, Elan 🚀 und Glück🍀 – in der Arbeit und im Leben. 🎧 Hören Sie rein unter 👇🏼positiv-fuehren.com/podcast

🚀 Natürlich stehe ich für Online-Coachings zur Verfügung – meine Auftakt-Sitzungen sind kostenlos.

Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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