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Die Reflected Best Self-Übung: Wie du dein bestes Selbst im Spiegel anderer identifizierst, kokreierst, utilisierst…

von CHRISTIAN THIELE

„Wenn ich doch nur mal schwarz auf weiß hätte, was ich eigentlich richtig gut kann …“ Kennst du diesen Gedanken?

Wir alle bekommen Feedback. Viel davon ist gut gemeint ("Machen Sie schon ganz ordentlich..."). Manches ist hilfreich ("Ich sehe dich noch nicht so ganz bei..."). Und erstaunlich viel davon ist – sagen wir – korrekturbedürftig. Vor allem dann, wenn es immer nur um Defizite, Lücken und „da geht noch was“ geht.

Die Reflected Best Self-Übung (RBS) dreht die Blickrichtung um. Sie sammelt nicht Kritik, sondern Karat: Goldene Momente, in denen du wirklich dein Bestes gezeigt, gegeben, gelebt hast. Und zwar aus der Perspektive anderer.

Worum geht’s bei „Reflected Best Self“?

Die Übung stammt aus der Positive Organizational Scholarship. In einem Klassiker der Harvard Business Review beschreiben Roberts, Spreitzer, Dutton, Quinn, Heaphy und Barker (2005) die Methode als systematischen Weg, ein Bild des eigenen „Best Self“ zu entwickeln. Harvard klingt ja eh immer gut, und hier geht es auch nicht um eine Ego-Politur, sondern eine Grundlage für wirksame Weiterentwicklung 

Kurz: Du baust dir ein Best-Self-Porträt aus echten Anekdoten.

Und ja: Das kann rühren und berühren!

Wieso das wirkt (und nicht nur nett ist)

  • Der Ärgerschlumpf hat unser Gehirn im Griff: Menschen erinnern negative Informationen oft stärker und länger als positive. Lob rutscht in unserem Gehirn durch wie Vorsätze nach dem dritten Glühwein – klassische Feedback-Logiken verstärken das zusätzlich. 
  • Lob und Anerkennung erzeugen eher Zuversicht und den Wunsch, besser zu werden – Kritik macht eher defensiv 
  • Die RBS-Übung schafft deshalb ein bewusstes Gegengewicht: Sie hilft, unerkannte Stärken sichtbar zu machen, die du „nebenbei“ nutzt und darum kaum würdigst
  • Oder, wie ich das in Coachings und Workshops gerne sage: Unser innerer Projektor kann zum Spiegel werden – wenn wir wissen, wie:

So geht die Reflected Best Self-Übung – Schritt für Schritt

1) Feedback zum besten Selbst einholen

Frag ungefähr 10-15 Personen nach Feedback zu deinem besten Selbst.

Wichtig: Nicht nur Kolleginnen oder Kollegen aus dem aktuellen Team. Sondern ein möglichst buntes diverses Portfolio.

  • (Studien-)Kolleginnen und Kollegen (aktuell und alt)
  • Kundinnen, Kunden, Klientinnen, Klienten
  • Lehrerinnen, Freunde, Verwandte, SportskameradInnen etc.

Je breiter die Mischung, desto reichhaltiger und nuancierter wird dein Bild.

Was genau sollen sie dir schicken?

Bitte sie um eine kurze Nachricht (Mail, Sprachnachricht, Notiz), in der sie sich an eine Situation erinnern, in der du

  • herausragend warst
  • dein Bestes gegeben hast
  • einen positiven Beitrag geleistet hast

Und dann sollen sie beschreiben

  • was du konkret getan hast
  • welche Qualitäten/Stärken dabei sichtbar wurden
  • welchen positiven Effekt das hatte – auf sie, ein Team oder ein Ergebnis

2) Muster erkennen und gemeinsame Themen finden

Jetzt kommt der analytische Teil (keine Sorge, du musst dafür nicht Statistik studiert haben).

  • Sammle alle Anekdoten
  • Markiere wiederkehrende Themen
  • Suche nach gemeinsamen Mustern und „Signaturstärken“

Das Spannende: Oft sind Menschen, die das RBS einsammeln, überrascht, wie einheitlich das Feedback über sehr unterschiedliche Personen hinweg ist. 

Und genau hier liegen oft die „unbewussten Kompetenzen“: Dinge, die für dich so normal sind, dass du sie nicht als Stärke verbuchst. ("Mach ich halt so...", "ist doch ganz selbstverständlich, dass..." – und alle anderen denken: "Wahnsinn, wie die/der mal wieder...")

3) Integrieren und zur Weiterentwicklung nutzen

Aus den Mustern schreibst du dein Best-Self-Porträt.

Ich empfehle immer: kein Bullet-Point-Friedhof, sondern ein kurzer Prosatext (2 bis 4 Absätze), der mit dem Satz beginnt:

„Wenn ich mein bestes Selbst bin, dann …“ 

Nutze dabei ruhig Formulierungen aus dem Feedback. Streiche Dinge, die sich nicht stimmig anfühlen (nicht weil sie „falsch“ sind, sondern weil dein Selbst-Porträt für dich passen soll) 

Und dann: Übertrage es in Handeln.

  • Welche beruflichen Ziele passen zu diesem Porträt?
  • Welche Rollen, Projekte oder Verantwortlichkeiten würden dir eine Bühne geben, diese Stärken öfter zu nutzen?

4) Die eigene Rolle neu gestalten (Job Crafting light)

Die Autorinnen und Autoren der HBR-Studie nennen als nächsten Schritt das Redesign der eigenen Arbeit: kleine Veränderungen innerhalb der Freiheitsgrade deiner Rolle.

Frag dich zum Beispiel

  • Wo kann ich meine Zeit künftig anders einsetzen?
  • Welche Meetings, Aufgaben, Formate geben mir Energie – und welche ziehen sie mir konsequent ab?
  • Mit wem sollte ich öfter zusammenarbeiten, weil dort meine Stärken besonders wirken?
  • etc.

5) Teilen heißt Vervielfachen

Teile dein Best-Self-Porträt mit einigen vertrauenswürdigen Kolleginnen, Kollegen oder Mentorinnen und Mentoren.

Nicht als „Schaut her, wie toll ich bin“, sondern als Entwicklungsanker: „Das scheint mein bester Modus zu sein – hilfst du mir, mehr davon im Alltag zu ermöglichen?“

Mini-Übung für heute (5 Minuten)

Falls du jetzt nicht gleich ein Dutzend Menschen anmailen willst – verstehe ich. Alternative: Starte klein.

  • Schreib drei Situationen auf, in denen du in letzter Zeit richtig gut warst im Sinne von "Ein Fisch im Wasser"
  • Notiere daneben: Welche Stärke war da am Werk?
  • Und dann die wichtige Frage: Wo könnte ich diese Stärke in den nächsten Tagen ganz bewusst ein-, zweimal einsetzen?

Und jetzt: Stärken stärker stärken

Wenn du das Thema Stärkenorientierung, Positive Leadership und Job Crafting im Unternehmen verankern willst: In meinen Keynotes (und Workshops) bringe ich Forschung und Praxis zusammen – fundiert, konkret und mit einer Prise Humor (oder das, was ich dafür halte, fragt bitte nicht meine Teenies daheim...).

Buchbar über die ECON Referenten-Agenturhttps://www.econ-referenten.de/referenten/christian-thiele

Und wenn du lieber in deinem eigenen Tempo lernst: Auf meinem LinkedIn-Profil findest du auch Audiokurse rund um Positive Leadership: https://www.linkedin.com/in/christianthiele

Viel Gaudi und Gelingen dabei.

PS: Du machst, ihr macht, Sie machen das gut!

Literatur

Roberts, L. M., Spreitzer, G., Dutton, J., Quinn, R., Heaphy, E., & Barker, B. (2005). How to play to your strengths. Harvard Business Review.

Haufe: Positiv führen. Stärken erkennen und nutzen.

Haufe: Positiv führen. Stärken erkennen und nutzen.

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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