Vertrauen verstehen, verstärken, wiedergewinnen als ChefIn – Serie, Teil 3

CHRISTIAN THIELE

0  KOMMENTARE

In der Serie „Vertrauen verstehen und verstärken“ gebe ich Führungskräften Tipps aus der Positiven Leadership an die Hand, damit sie genauer verstehen, was Vertrauen ausmacht, wieso es so wichtig ist, wie sie es wecken und kräftigen können – und wie es wiederzugewinnen ist. 

In Folge eins ging es darum, was Vertrauen eigentlich ist – und was nicht. Thema der Folge zwei: Was Vertrauen nützt, inwiefern Misstrauen schadet. Hier gebe ich ganz konkrete Hinweise, was Führende tun können, um Vertrauen zu schaffen und zu stärken.

Mal ehrlich, es hört und sieht Ihnen ja gerade wahrscheinlich keiner zu:

  • Auf einer Skala von 1-10, 1 für wenig, 10 für maximal – wie vertrauenswürdig sind Sie? 
  • In welchen Bereichen vertraut man Ihnen – in welchen eher nicht? 
  • Was brauchen Sie, um anderen vertrauen zu können – Ihren Mitarbeitern, Ihrer Chefin, Ihrem Partner?
  • Wie kann man Ihr Vertrauen verspielen, wer macht Sie womit misstrauisch?

Jeder von uns hat andere Antworten auf diese Fragen, denn Vertrauen ist eine hochindividuelle Wette auf die Zukunft, jedeR wettet anders. Aber Vertrauen lässt sich aktiv fördern und stärken. Denn ironischerweise schaut Vertrauen sowohl zurück als auch nach vorne, ist einerseits Voraussetzung für gute Zusammenarbeit und andererseits Ergebnis von gelungener Kooperation. Wie sagte Derrick einst so schön:

Ich lege jetzt mal die Waffe weg. Und dann reden wir.
Derrick

(So habe ich Derrick zumindest in Erinnerung. Und ich will ihn mir nicht durchs Googlen kaputt machen lassen...)

So individuell Vertrauen auch ist – so allgemeingültig sind doch die vier Komponenten, die Vertrauen ausmachen:

  • Glaubwürdigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Kompetenz
  • Nähe

Das sind gleichzeitig vier Strategien, mit denen Sie Vertrauen aufbauen und vertiefen können.

Wie transparent und offen kommunizieren Sie mit Mitarbeitenden und sonstigen Menschen? Wie ehrlich sind Sie – auch im Umgang mit unangenehmen Wahrheiten? Das ist mit der Glaubwürdigkeit gemeint. Sie müssen – und können und dürfen und sollen – gar nicht immer alles sagen, was Sie wissen. Aber was Sie sagen, sollte Hand und Fuß haben. Und wenn Sie sich irren, ist es gut, wenn Sie das auch eingestehen können. Und wenn Sie etwas noch nicht oder nicht kommunizieren können – gehen Sie möglichst transparent mit der Intransparenz um. Wer übrigens sehr ironisch oder gar sarkastisch ist, hat gelegentlich ein Glaubwürdigkeitsproblem – vor allem mit Menschen, die sie oder er wenig kennt. Denn die wissen nie, wie groß der Spalt ist zwischen dem, was Sie sagen – und was Sie wirklich meinen. Das gilt vor allem im virtuellen Kontext, denn die Ober- und Untertöne unserer Kommunikation sind durch Zoom & Co. schwerer zu vermitteln und mitzubekommen.

Zuverlässigkeit ist die zweite Säule von Vertrauen: Wie pünktlich sind Sie, wie sehr halten Sie Vorgaben und Deadlines ein? Für viele Menschen ist das ein seeeeeeeeeeeeehr wichtiger Vertrauensfaktor. Bei mir ist das ehrlich gesagt nicht die wichtigste Vertrauenssäule, ich habe großes Verständnis, wenn Leute etwas nicht pünktlich schaffen oder gar nicht schaffen. Ich will es nur so schnell wie möglich wissen, damit ich umplanen kann. Und auch Sie als Führungskraft werden immer wieder umpriorisieren müssen, werden Vorgaben nicht einhalten können, Termine verschieben müssen, weil etwas dazwischen gekommen ist. Je besser Sie auch mal „Nein“ sagen können, je leichter Sie delegieren können – desto zuverlässiger können Sie die Dinge einhalten, auf die Sie sich verpflichtet haben und die man von Ihnen erwartet.

Vertrauensstrategie Nummer drei: Kompetenz. Wer laufend von Dingen redet, von denen Sie oder er keine Ahnung hat, wer permanent Aufgaben übernimmt, die sie oder er eigentlich gar nicht in der Lage ist zu bewältigen – der verliert in den Augen der anderen an Kompetenz, dessen Vertrauenswürdigkeit nimmt Schaden. Müssen Sie, um Kompetenz auszustrahlen, alles wissen, verstehen, besser können? Na-hin! Das wäre eine Rückwärtsrolle ins Managementdenken von vorvorgestern. Wer Nichtwissen zugeben kann, wer andere um Hilfe bitten kann, wer auch aus Fehlern zu lernen weiß, wer Souveränität zweiter Ordnung beweist – die oder der wirkt damit umso kompetenter. Und vertrauenswürdiger. 

Wenn ich als Chefin, als Bereichsverantwortlicher, als Teamleiterin mehr von mir erzähle als nur professionelle Zahlen, Daten, Fakten, wenn ich von den MItarbeitern mehr weiß als einfach nur die Stelle im Organigramm – dann zeige und lebe ich persönliche Nähe. Rezept Nummer vier, um Vertrauen zu stärken und zu vertiefen. Ich zeige mich als Mensch, auch mit meinen Fehlern, Zweifeln und Sorgen, ich widme mich im Gespräch – ob per MS Teams oder Face to Face – mit voller Aufmerksamkeit meinem Gegenüber, ich frage mehr als ich sende: All das sind Möglichkeiten, um persönliche Nähe zu schaffen. Gerade die Extrovertierten, denen das Miteinander sehr wichtig ist, brauchen gerade jetzt, in Zeiten der Kontaktbeschränkungen, so etwas wie virtuelle Wir-ologie. Das muss nicht zum permanenten Oversharing führen, manche Mitarbeiterinnen und Chefs wollen nicht bei diesen Spielchen mitmachen, wo man den anderen Teammitgliedern den Home-Office-Schreibtisch oder die Besteckschublade oder was auch immer zeigt. Und das ist auch ok so. Aber Sie sollten darüber im Gespräch sein miteinander, was wer braucht, was wem zuviel und was wem zuwenig ist an Kontakt, Interesse, Miteinander.

Machen Sie einen Vertrauens-Check:
  • In welchen der vier Dimensionen von Vertrauen sind Sie gut? Und wo geht noch was?
  • Auf welchen der vier Feldern sind Ihre Mitarbeitenden stark? Und wo fehlt Ihnen da Vertrauen – und vielleicht auch dem Team untereinander?
  • Was wären erste Schritte in die richtige Richtung? Vielleicht können Sie ja diese Themen im One-on-One besprechen. Vielleicht in einem Teamworkshop. Mit oder ohne externe Begleitung. Dann wird's besser mit dem Vertrauen. Vertrauen Sie mir!

Wenn Sie mehr wissen wollen

Hier einige Angebote von mir, wenn Sie mehr von mir zu positive Leadership hören, lesen, wissen, erleben wollen:

🎧 In der aktuellen Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ geht es um „Vertrauen verstehen und verstärken als ChefIn". (Der Podcast und ich freuen sich übrigens über Abos und freundliche Bewertungen!)

🚀 Mein Gratis-E-Book „Mehr Glück im Job” – hier eintragen.

🖥 Natürlich stehe ich für Online-Coachings zur Verfügung – meine Auftakt-Sitzungen sind kostenlos.

Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

Sei der Erste, der den Beitrag teilt!

Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

Das könnte Ihnen auch gefallen: 

Virtuos virtuell wirken: 5 Erfolgsstrategien für Remote Führende

Tadaaaas statt nur ToDos: Erfolgreicher mit Erfolgen umgehen

Adventskalender mit famPLUS (1/4): Für mich gut sorgen

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>