Positiv Führen in fordernder Zeit: 15 Tipps (und noch ein paar mehr)

CHRISTIAN THIELE

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Im kompetent-inspirativen Veranstaltungskanal von Markus Jotzo durfte ich neulich „15 Tipps für Positives Führen in fordernden Zeiten“ geben. Hier die überarbeitete Version meines Beitrags – der zusammen mit den Inputs von Markus und von Vaya Wieser-Weber bald hier zu sehen sein müsste.

Was ist und bringt Positives Führen?

Positive Leadership ist ein Führungsansatz, der auf Forschung aus Positiver Psychologie, Neurowissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und anderen Disziplinen beruht. Ein System also, das auch dann funktioniert, wenn einemR als Führungskraft auch mal nicht so nach positiv zumute ist. Es lässt sich – über den PERMA-Lead-Profiler – abtesten und trainieren. Und ist dennoch sehr handfest und praxistauglich für den Führungsalltag. 

Zu den in wissenschaftlichen Studien nachgewiesenen Effekten von Positive Leadership gehören unter anderem:

  • mehr Wohlbefinden bei Führenden selbst
  • mehr Loyalität, weniger Wechselbereitschaft bei den Mitarbeitenden
  • geringere Burnout-Anfälligkeit, besserer Schlaf und höhere Zuversicht der Belegschaft in Change-Prozessen
  • höhere Kundenzufriedenheitswerte, bessere Umsätze – und es gibt sogar schon erste Hinweise auf bessere Aktienkurse

Will man, oder? 

Und wie geht Positive Leadership jetzt konkret? Hier einige Tipps

  • für die Führung der Führungskraft selbst, der Mitarbeiter, der Organisation
  • für physisch, digital und phygital Führende

1. Frühstücken Sie einen Clown. Und noch einen! Und machen Sie sich bewusst, warum Sie Clowns frühstücken sollten. Positive Emotionen zu fördern bietet viele Vorteile:

Gut gelaunte Menschen im Vertrieb engagieren sich mehr, verkaufen mehr – belegt eine riesige Studie mit Mitarbeitern der British Telecom.

  • Gut gelaunte Menschen haben höhere Erwartungen und setzen sich anspruchsvollere Ziele (Forgas 1998, Diener/Thapa/Tay 2020)
  • Freundliche Angestellte sorgen für höhere Umsätze in Schuhgeschäften, höhere Kundenzufriedenheit und weniger Mitarbeiterfluktuation in Bankfilialen (Diener/Thapa/Tay 2020)  
  • Wer weniger positive Emotionen aufweist, zeigt weniger Engagement im Job (Cropanzano 199)

3. Wagen Sie Transparenz: Gerade in Zeiten von Umbruch, Ungewissheit und mangelndem Informationsaustausch durch verteiltes Arbeiten dämmt Information die möglichen Ängste, Befürchtungen und Sorgen der Mitarbeitenden. Egal, wie berechtigt oder unberechtigt diese sein mögen.

4. Starten Sie Meetings – egal ob physisch oder virtuell – mit Fokus auf Erfolge, Komplimente, Gelungenes und Gelingendes. Macht sie erwiesenermaßen kürzer und produktiver.

5. Machen Sie einen Stärkentest. Ich empfehle da VIA, der CliftonStrengths geht auch, vielleicht gönnen Sie sich auch noch ein Stärkencoaching, denn: Laut einer großen Studie von Gallup mit rund 50.000 beteiligten Unternehmen aus sieben unterschiedlichen Branchen und 45 Ländern erzielen stärkenorientierte Firmen: 

  • 
10 bis 19 % mehr Umsatz, 

  • 14 bis 29 % mehr Gewinn, 
  • um 3 bis 7 % höhere Kundenzufriedenheitswerte, 
  • 9 bis 15 % stärkeres Mitarbeiterengagement,
  • 22 bis 59 % (!) weniger Arbeitsunfälle.

6. Machen Sie Stärken erlebbar: Delegieren Sie nach Stärken, loben Sie die Stärken ihrer Mitarbeiter. Gerade in schwierigen Zeiten sind manche Stärken wie Gelassenheit oder Zuversicht besonders wertvoll. Und versuchen Sie, Schwächen mit Stärken zu kompensieren, die eigenen oder die der Mitarbeiter.

7. Grenzen wahren, Schonzeiten einrichten, Nichterreichbarkeit vorleben: Das fällt schwer im Home-Office, das fällt schwer in turbulenten Zeiten. Doch das ermöglicht Flow-Erlebnisse und stärkt das Engagement.

8. Schaffen Sie mehr Miteinander durch Vertrauen, sprich: Leben Sie Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Nähe, Kompetenz.

9. Schaffen Sie Erlebnisse. Lieferando-Lunches, Rezept-Challenges, Thirsty Thursdays: viele Organisationen haben im Remote-Kontext tolle Rituale erschaffen, um Zusammenhalt und Identität zu stärken, um auch in der Distanz zusammenzukommen.

10. „Mach Du das doch mit dem“, „ruf doch dazu mal die an“: Spannen Sie die Leute bewusst in Tandems/Trios zusammen – auch da, wo es gar nicht nötig ist. Das kann gegen die Isolation helfen, die Vielen jetzt so auf den Magen (und die Arbeitsleistung) drückt.

11. Starten Sie Aushandlungsprozesse für die Zeit nach dem Zwangs-Home-Office: Wie wollen wir zusammenarbeiten, digital, physisch, phygital? Wie viel Tage Home- und wie viel Büro-Palmen-Office wollen und können wir leisten? Welche Anreize schaffen wir für Bürotage (Schulungen, Meetings mit Benefit o.ä.) – sonst laufen Ihnen gute Leute weg!

12. Sprechen Sie über Ihre gemeinsame Mission: Was ist Ihr Antrieb, das zu machen, was Sie tun? Fragen Sie Mitarbeiter nach ihrem Sinn, ihrer Bedeutung, die sie der Arbeit geben. 

13. Erklären Sie bei Veränderungen immer: Wer hat was davon, wie machen wir damit unser Leben, das unserer Kunden besser, einfacher, günstiger? Viele Führende sind gut darin, das WAS und das WIE zu erklären – und vergessen darüber das WOZU und WARUM.

14. Wagen Sie Visionen: Investieren Sie regelmäßig Arbeitszeit darin, sich vorzustellen, wo Sie und die Organisation in zwei, fünf Jahren stehen wolllen. Wer sich vollständig vom operativen Management-Klein-Klein auffressen lässt, hat dafür keine Zeit. Und riskiert, Möglichkeiten und Chancen zu übersehen.

15. Diskutieren Sie Ziele mit der Belegschaft. Nach OKR-Logik könnte man etwa 70 Prozent der Ziele von den Mitarbeitenden selbst definieren lassen, 20 Prozent von den Peers im Team und 10 Prozent kommen von der Führungskraft. Denn selbstgesteckte Ziele sind attraktiver und werden mit größerer Wahrscheinlichkeit erreicht.

16. Führen Sie ein Erfolgstagebuch, egal ob öffentlich oder privat, digital oder auf Papier. Denn Selbstwirksamkeit schafft Wohlbefinden.

17. Betreiben Sie kritische Fortschrittsanalyse! Wenn etwas gelungen ist, geklappt hat, fertig ist, fragen Sie: Wie haben wir das geschafft, was hat dazu beigetragen, welche Stärken konnten wir nutzen? Nur dann wird Erfolg replizierbar und bleibt kein Zufallsprodukt.

19. Pardon, jetzt sind es doch mehr als 15 Tipps geworden. Zwei noch: Hören Sie meinen Podcast „Positiv Führen“
. Lesen Sie meinem Blog. 
Laden Sie sich mein kostenloses E-Book herunter zu mehr Glück im Job. 
Wenn Sie noch mehr wissen wollen: Kaufen Sie mein nichtkostenloses Nicht-E-Book „Positiv Führen für Dummies“, ab jetzt bestellbar, bald raus – da stehen dann unter anderem die ganzen Studien drin, auf die ich hier referenziere.

21. Machen Sie sich klar: Sie machen das gut!

Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

"Positiv führen für Dummies"

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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