Miniserie Positive Emotionen verstehen und verstärken als Führungskraft – 1/4

CHRISTIAN THIELE

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Was genau sind eigentlich „Positive Emotionen“? Was bringen die? Wozu soll ich sie als Führungskraft stärken – für mich und meine Mitarbeiter? Wie geht das? Und wie negative Emotionen konstruktiv handhaben? Darum geht’s in dieser Miniserie. Folge 1: Was ist unter „positiven Emotionen“ zu verstehen?

Wie geht’s? Ich meine es ernst: Wie ist Ihr Befinden gerade?

„Wie soll’s mir schon gehen“, mögen Sie sich vielleicht denken, „die dritte Pandeime-Welle rollt an, mit der Impferei kommen wir nicht hinterher, die Steuererklärung habe ich auch noch nicht gemacht, der Backenzahn rechts unten tut weh – wie soll es mir da schon gehen!?“

Vielleicht finden Sie Anregung bei Facebook. Denn Facebook fragt bei den Emoticons laufend: „Wie fühlst Du Dich?“, und da können wir auswählen zwischen frech, erschöpft, froh, todunglücklich, schläfrig, hungrig, schmerzerfüllt, enttäuscht, entschlossen, genervt – und und und.

Die meisten von uns haben ein eher schlechtes, man könnte auch sagen: recht emotionales Verhältnis zu den Emotionen. Wir haben Vorurteile ihnen gegenüber, sie gelten als minderwertig gegenüber dem Verstand, in vielen Coachings und Seminaren höre ich, gerade von Führungskräften: „Wir sollten das rational lösen, nicht so emotional.“ Emotionen? Irgendwie bäh.

Sowohl in meiner aktuellen Podcastfolge als auch in dieser Serie werden Sie lernen: Von wegen bäh. 

Emotionen sind enorm wichtige Datenträger, die uns helfen können, uns, andere und die Welt besser zu verstehen und einzuordnen. Sie können – und sollten – Emotionen verstehen, einordnen und gestalten können, gerade als Chefin. Die eigenen und die Ihrer Mitarbeiter (ich wechsle möglichst regelmäßig zwischen „sie“ und „er“ ab, gemeint sind immer alle Geschlechter). 

Denn ignorieren können wir sie sowieso nicht – ein unterdrücktes Gefühl geht in den Keller und macht Kraftübungen, habe ich irgendwo mal aufgeschnappt. Und spätestens seit den Forschungsergebnissen von Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman ("Schnelles Denken, langsames Denken") wissen wir: Bei vielen unseren Handlungen und Entscheidungen sitzt nicht das Denken am Lenkrad, sondern die Emotion. Und der Verstand ist vielleicht auf dem Beifahrersitz. Vielleicht im Kofferraum. Oder wartet vielleicht noch auf den Bus...

Was sind überhaupt Emotionen?

Was Emotionen sind? Als Freizeitpsychologe will ich weder Sie noch mich mit Definitionsfragen langweilen, aber Konsens in der Wissenschaft scheint ungefähr Folgendes zu sein:

  • Emotionen sind genetisch geprägte, aber veränderbare Verhaltensmuster,
  • die körperlich wahrnehmbar sind (Wärme, Enge, Weite, erhöhter Adrenalinspiegel oder andere Marker),
  • und die darüberhinaus einen Schuss Denken beinhalten, zum Beispiel in Form einer Bewertung oder Einordnung.

Emotionen können wir nach ihrer Stärke (sehr schwach bis sehr intensiv) und der Tönung oder Valenz (sehr unangenehm bis extrem angenehm) unterscheiden. Langeweile wäre also vielleicht mild unangenehm, Wut intensiv unangenehm. Interesse könnte eine mild positive Emotion sein, Freude eine stark positive. Aber das erlebt jede Person unterschiedlich. Eine jede von uns hat ihren Heimatquadranten: Was den einen mit der Präferenz für milde Positivität überwältigt, unterwältigt die andere mit der Neigung zu lauten, schrillen, starken positiven Emotionen.

Negative Emotionen wie Wut, Ärger, Frustration, Ungewissheit und so weiter haben es in unserem Gehirn leichter als Freude, Gelassenheit oder Heiterkeit, sie haben quasi einen permanenten Heimvorteil. Und Positivität muss aufgrund der so genannten Negativitätsasymetrie („negativity bias“) quasi permanent auswärts spielen in unserem Kopf und Körper.

Klett für das Schlechte, Teflon für das Gute

Würden Sie eine Apfelschorle trinken, in die man ganz kurz eine klinisch desinfizierte Kakerlake getunkt hat? Wahrscheinlich nicht, die schöne Apfelschorle wäre für Sie kontaminiert. Würden Sie das Gericht einer Dreisterne-Köchin auf einem Beet von – natürlich desinfizierten – Kakerlake essen? Wahrscheinlich auch nicht. Gleichstarke negative Stimuli kommen in unserem Gehirn schneller an, werden schneller und deutlicher verarbeitet und hallen länger nach als gleich starke positive Impulse, das konnte in den letzten Jahren in diversen Studien nachgewiesen werden. Neulich bekam ich eine E-Mail mit der Betreffzeile „Feedback zu Ihrem Newsletter“. Oh Gott, dachte ich im ersten Moment – der Text war dann letztlich sehr freundlich. 

Die Nachricht von dem einen Lawinenunglück lässt viele Menschen glauben, Skitourengeher seien tendenziell lebensmüde. Dass mehr Amerikaner in den letzten 20 Jahren in ihren Badewannen gestorben sind als Menschen weltweit im gleichen Zeitraum durch al-Kaida, den IS und ihre Verbündeten umgekommen sind – das und viele andere Beispiele für diese Negativitätsverzerrung hat Roy Baumeister in seinem sehr lesenswerten Buch „Die Macht des Schlechten“ versammelt und erklärt.

Unser Gehirn ist wie Klettband für das Schlechte. Und Teflon für das Gute. Dieser „negativity bias“ macht evolutionär sogar Sinn. Denn für das Überleben unserer Vorfahren war es überlebenswichtig, die eine giftige Frucht, den hinterlistigen Feind, den Säbelzahntiger im Gebüsch zu wittern. Ob jemand den Sonnenuntergang auskosten oder das gute Gespräch mit dem Stammesnachbarn wertschätzen konnte, bot keinen signifikanten evolutionären Vorteil. Da die meisten von uns in ihrem (Berufs-)Alltag nicht permanent zwischen Kampf, Flucht und Lähmung zu unterscheiden haben, macht uns die Negativitätsverzerrung inzwischen das Leben schwer.

Was sind und bringen positive Emotionen?

Negative Emotionen wie Ärger, Sorgen, Neid machen unser Denken und unsere Handlungsoptionen enger. Wohingegen Freude, Interesse, Gelassenheit, Humor oder Dankbarkeit nicht nur unsere Denk- und Handlungsräume weiten. Diese positiven Emotionen helfen auch dabei, die Negativ-Faktoren des Lebens abzuwettern und gegen den "negativity bias" anzukommen. Das hat Barbara Fredrickson mit ihren vielen Untersuchungen zur "Broaden and Build"-Theorie belegen können, dem vielleicht bekanntesten Ansatz in der Positiven Psychologie der letzten 20 Jahre. Wer positive Emotionen pflegt, 

  • bewertet andere Menschen positiver
  • ernährt sich und lebt gesünder
  • hat mehr Blick für das Große Ganze
  • kooperiert mehr mit anderen 

und und und – und zwar kurz- wie langfristig.

In Zeiten von Umbruch, Ungewissheit, Krise hat es das Positive besonders schwer, gegen den Strudel an Negativität anzukommen. Dabei wäre das umso wichtiger, zumindest gelegentlich. Und gerade auf Führungskräfte kommt es dabei an. Denn in Krisenzeiten orientieren wir uns immer nochmal mehr an den Regierenden, Chefinnen, Lehrern, also an jeder Form von Autorität als normalerweise.

Warum das so ist? Und wie die positiven Emotionen zu kultivieren wären? Dazu mehr in Folge 2 dieser Serie.

Wenn Sie mehr wissen wollen

Hier einige Angebote von mir, wenn Sie mehr von mir zu positive Leadership hören, lesen, wissen, erleben wollen:

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🎧 Die aktuelle Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ dreht sich darum, wie Chefinnen und Chefs Sinn-voller führen können – gerade aus, in, nach Krisen , sich selbst und andere. (Der Podcast und ich freuen uns übrigens über Abos und freundliche Bewertungen!). Auf den einzelnen Plattformen hier zu hören👇🏼

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Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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