14 Dinge, die Sie über die Ein- und Durchführung von Positive Leadership wissen sollten

CHRISTIAN THIELE

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Wenn es um Positive Leadership geht, bekomme ich oft zu hören: „Das kann man vielleicht in einer Umweltschutzorganisation einführen, wo sich alle liebhaben, oder in einer coolen Designagentur in Berlin – aber im harten, echten Wirtschaftsleben funktioniert das doch gar nicht!" Oder so ähnlich.

Von! We! Gen!

Auch in Unternehmen in harter Konkurrenz, mit kleinen Margen, mit leichter Ersetzbarkeit der eigenen Produkte oder Dienstleistungen durch Konkurrenzangebote sowie mit eine großen Bedeutung standardisierter Prozesse lässt sich Positives Führen einführen und umsetzen. Wie zum Beispiel – bei den Discountern! Für die Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ (🎧 hier oder auf allen großen Plattformen nachzuhören) habe ich mit Stefan Andexer gesprochen, dem Personalleiter von LIDL Österreich. Das Beispiel LIDL Österreich bietet aus meiner Sicht mindestens 14 Lektionen, die sich andere Organisationen und Unternehmen abschauen können:

🚀 In Einzelhandelsketten, in der Systemgastronomie und in vielen anderen Branchen kann nicht jeder machen, was er wann wie will. Der freien Entfaltung des Einzelnen sind durch Prozessketten und Strukturen enge Grenzen gesetzt: Kann die Frau oder der Mann in der Tankstelle morgens um sieben spontan entscheiden, dass er oder doch lieber erstmal einen ausgiebigen Waldspaziergang macht und dann am späten Vormittag an seiner Kasse vorbeischaut? Eher Nö. Die Coachin, der Architekt haben da häufig andere Freiheitsgrade. Und doch kann auch die Leiterin einer Supermarktfiliale eine eigene Note vorleben. Und etwa dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter*innen die Arbeitszeiten möglichst nach ihren Vorlieben und Bedürfnissen, die Einsatzgebiete auf ihre Stärken und Neigungen anpassen können.

🚀 Top-down oder bottom-up? Eine Klassikerfrage, die sich in jedem Moment organisationalen Wandels stellt. Die Einführung von Positive Lidl-, äh: Leadership jedenfalls braucht den – wie das heute so schön heißt – buy-in von ganz oben. Es muss in der Top-Führungs-Ebene die echte Überzeugung geben, dass stärken- und potenzialorientierte Führung Sinn macht – für Führende, Beschäftigte, Kund*innen, Aktionär*innen und sonstige Beteiligte. Natürlich braucht es auch Unterstützung und Anregung und Ideen von unten, je mehr, desto besser! Aber Ideen, die von oben nur gepredigt werden statt gelebt, haben es aus meiner Erfahrung unendlich schwer, vor allem in eher klassisch-hierarchisch geführten Organisationen.

🚀 Wenn 

dann müsste doch eigentlich klar werden: Positives Führen lohnt sich. Oder?

🚀 Positive Leadership ist kein alles oder nichts. Kleine Maßnahmen haben oft schon große Wirkung! Wenn den Mitarbeiter das Homeoffice stresst, kann die Chefin allein mit der Erlaubnis, den Bildschirm und den Sessel aus dem Büro mit heimzunehmen, einen großen Unterschied machen. Zum Beispiel.

🚀 Mit den Kompliz*innen anfangen: Es braucht kein hundertdreiundzwanzigprozentiges Commitment,  auf das sämtliche Leitenden in einem drölfmonatigen Führungskräfteenticklungsprogramm eingeschworen werden müssen, bevor man loslegt. Suchen Sie sich die aus, die an Ihre Ideen glauben und gehen Sie in einer Koalition der Willigen voran. Sie wird um so größer und schneller wachsen, je weniger Konformitätsdruck Sie erzeugen. Die Ergebnisse werden sowieso für sich sprechen. 

🚀 Positives Führen ist nicht für jedeN. Bodo Janssen etwa spricht und schreibt sehr offen darüber, dass er in seinem Unternehmen viele Führungskräfte verlor, als er vom klassischen „Höher! Schneller! Weiter!" auf seinen Upstalsboom-Weg umschwenkte.

🚀 Pilotieren Sie! Corona gibt allen auf allen Ebenen in allen Bereichen wunderbare Begründungen dafür, warum man mal was ausprobieren kann, für eine Zeit. Und dann weitersieht. 

🚀 Positive Leadership ist kein Streichelzoo, bei dem Kritik verboten und Fehleranalyse abzuschaffen wäre. Sie ist eine nur eine wichtige Ergänzung,die den Blick auf Gelungenes und Gelingendes stärkt.

🚀 Positives Führen steht für kritische Erfolgsanalyse. Wenn Sie also Fortschritt, Innovation, Erfolg nicht als Zufallsprodukt begreifen, sondern systematisch replizierbar machen wollen, müssen Sie genau hinschauen: Wie kommt es, dass wir das so gut hinbekommen haben? Was war hilfreich? Wer konnte mit welchen Stärken, Ressourcen, Kompetenzen dazu beitragen? Sonst stolpern Sie vielleicht irgendwann zum nächsten Erfolg – vielleicht aber auch nicht.

🚀 Zahlen zählen. Positive Leadership hat Effekte, die sich messen und darstellen lassen, etwa über den PERMA-Lead-Profiler. Das macht, vor allem in Zahlen- und Datengetriebenen Organisationen, vieles leichter, greifbarer, vergleichbarer. (Mit Dr. Markus Ebner von der Uni Wien spreche ich darüber in Folge 3 meines Podcasts.) 

🚀 Zahlen zählen nicht nur. Erinnern Sie sich noch an die Zeit vor der Finanzkrise 2008, als die Top-Banker von Top-Universitäten bei Top-Institutionen für Top-Immobilien-Zertifikate warben – die dann bald nur noch Schrottwert hatten? Eben. Je mehr Zahlen und Daten wir haben, desto schlauer sollten wir mit ihren umgehen und ihre Grenzen kennen. Das gilt auch für die Messbarkeit von Führung. Was wirkt, wirkt. Und lässt sich nicht immer bis auf die letzte Kommastelle belegen.

🚀 Es gibt nicht den einen Weg des Positiven Führens. Die eine Chefin ist analytischer und introvertierter, führt bedächtiger, der andere ist empatischer und kuscheliger unterwegs: Viele Wege führen in der Positive Leadership nach Rom. Dazu haben Menschen zu viele unterschiedliche Talente, Erfahrungen, Leidenschaften und Fähigkeiten, als dass man sie alle über einen Kamm scheren sollte.  

🚀 Führung lässt sich lernen, verbessern, optimieren – aber nicht für jedeN. Zu positive Leadership sollte nach meinem Verständnis auch immer die Option gehören: „Ich steige aus aus der Verantwortung, ich mache eine Experten- oder Fachkarriere." Bosch und manch andere Firmen sind da schon auf einem guten Weg – weg von der alten Doppeldevise: „Einmal Chef, immer Chef." Und: „Je Fachexperte, desto Chef." 

🚀 Virtuelles Führen ist soooooooooooooooooooooo viel mehr als die korrekte Bedienung von Zoom, Slack & Co. Die vermeintlich weichen Faktoren des Führens werden gerade jetzt um so wichtiger, um so etwas wie virtuelle Wir-ologie zu schaffen. Gute Zeiten für Positive Leadership!

Wenn Sie mehr wissen wollen

Hier einige Angebote von mir, wenn Sie mehr von mir zu positive Leadership hören, lesen, wissen, erleben wollen:

🎧 In der aktuellen Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ geht es um Positive Leadership bei LIDL Österreich. (Der Podcast und ich freuen uns übrigens über Abos und freundliche Bewertungen!)

🚀 Mein Gratis-E-Book „Mehr Glück im Job” – hier eintragen.

🖥 Natürlich stehe ich für Online-Coachings zur Verfügung – meine Auftakt-Sitzungen sind kostenlos.

Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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