Meinen Chef positiv führen: ein paar Anregungen

CHRISTIAN THIELE

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Meine Chefin/meinen Chef fokussieren und führen, ohne sie oder ihn vorzuführen oder zu verführenzu irgendetwas, das mittelfristig nicht in ihrem/seinem Interesse liegen kann: Das ist manchmal die schwierigste Führungsaufgabe überhaupt. Hier also ein paar Anregungen zum Managing Up oder Cheffing, wie es so schön auf neudeutsch heißt – zur Führung der eigenen Führungskraft von unten.

Alternativen anbieten: Wenn Sie ein Problem und verschiedene Lösungswege haben – schlagen Sie der Führungskraft A, B und C vor, vielleicht auch noch verbunden mit Ihrer Präferenz, wenn Sie eine haben.

Erfolgsindikatoren etablieren: Fragen Sie Ihre Führungskraft, wann aus ihrer Sicht Ihr Job gut gemacht, Ihre Zuständigkeiten gut betreut sind. In welchen Bereichen sind 100 oder 120 Prozent nötig – in welchen reicht weniger? 

Fokus vorschlagen: „Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig an meiner Arbeit? Und was weniger?“ Diese Frage hilft beim Priorisieren – und beim Posteriorisieren. Gute Vorgesetzte machen das. Noch bessere lassen sich dabei auch helfen – auch von den Mitarbeitenden.

Hindernisse herausfinden: Nicht für all Ihr Glück oder Unglück ist die eigene Führungskraft verantwortlich – so bequem das manchmal wäre. Machen Sie für sich selbst klar, was gerade Ihre beruflichen Baustellen sind, zum Beispiel mit Fragen wie diesen:

  • Wo möchte ich gerne weiterkommen, meine Arbeit leichter haben?
  • Welche Rolle spielen dabei meine Kollegen, welche spiele ich selbst – und welche spielt meinE Chef*in?
  • Wie und wo kann mir meine Führungskraft mein Leben leichter machen – und wie und wo nicht?

Kanäle klären: Nicht jedeR Chef*in kann gleich gut abgeben und delegieren, fasst gleich leicht Vertrauen in die Belegschaft. Fragen und klären Sie: "Wie informiere ich Sie am besten – wann, über welches Medium, wie oft, wie kleinschrittig?"

Konstruktiv kritisieren: Starke Führungskräfte wollen keine Mitarbeiter*innen, die ihnen immer nur nach dem Mund reden. Zeigen Sie Ihrer Führungskraft gelegentlich die eigenen blinden Flecken auf. Kritisieren Sie Ihren Vorgesetzten ruhig auch mal, wenn etwas schiefgelaufen ist, Sie etwas als ungerecht empfinden oder ähnliches. Aber immer nur, wenn Sie 

  • unter vier Augen sind
  • mindestens eine Nacht drüber geschlafen und noch besser: mit jemandem über das Thema gesprochen haben
  • sich vorher gründlich in ihre/oder seine Perspektive, Informationsstand, Handlungsspielräume, Anforderungen von oben etc. hineinzudenken versucht haben
  • dabei unterscheiden können zwischen Ihrer Wahrnehmung des Geschehens; der Wirkung, die die Handlung oder die Äußerungen der Führungskraft aus Ihrer Sicht hatten; und Ihrem Wunsch, was künftig mehr/weniger/anders werden soll (WWW-Technik)

Krisenknöpfe kennen: Wo sieht Ihre Führungskraft rot? Was nervt, stresst, ärgert, enttäuscht sie oder ihn? Es ist gut, wenn Sie um die Alarmknöpfe Ihrer Führungskraft wissen. Das heißt nicht, dass Sie ihr jeglichen Ärger ersparen sollten, müssten, könnten – aber es hilft, darum zu wissen. 

Negatives News nuancieren: Wenn Sie schlechte Nachrichten haben, sollten Sie sie lieber nicht kaschieren oder die Augen zuhalten in der Hoffnung, dass sie die Führungskraft nicht erreichen – klappt eh nicht. Aber überbringen Sie sie am besten garniert mit konkreten nächsten Handlungsvorschlägen, um das Ausmaß der schlechten Nachrichten zu vermindern.

Respektvolle Rückgabe: Sie müssen nicht alles immer sofort machen, was Ihre Führungskraft Ihnen aufträgt. Das sollten Sie auch nicht, denn das können Sie letztlich häufig gar nicht. Schließlich weiß – gerade in Zeiten des virtuellen Arbeitens – die Chefin oder der Chefin selten genau, wer gerade in Überlast oder Unterlast arbeitet. Wenn Ihre Arbeitskapazitäten gerade bis Oberkante Oberlippe erschöpft sind, also nicht Ja sagen zu neuen Aufträgen und Anforderungen. Sondern erstmal so etwas wie „Ich muss mir erstmal einen Überblick über die nächste Woche verschaffen“ oder so ähnlich – denn mit vorschnellen Zusagen schaden Sie letztlich sich selbst, den Kollegen oder allen Beteiligten miteinander. Machen Sie Ihrer Führungskraft klar, was Sie auf dem Tisch haben, bitten Sie um Priorisierung oder schlagen Sie selbst eine vor – und betonen Sie, dass Sie die Aufgaben, die Sie übernehmen, auch gerne gut und gründlich erledigen wollen. Aber dass es dazu Priorisierung und Depriorisierung braucht. 

Schwächen schwächen: Jede Führungskraft hat ihre Talente, Kompetenzen, Stärken – und ihre Defizite. Wie wir alle. Aufmerksame Mitarbeiter*innen unterstützen die wenig strukturierte Führungskraft, indem sie dafür umso strukturierter arbeiten; machen gelegenlich die Betriebsnudel, wenn die Chefin nicht so wahnsinnig kommunikativ ist – und so weiter. So fallen die Schwächen ihrer Führungskraft vielleicht weniger ins Gewicht – und sie kann ihre Stärken leichter auf die Straße bringen.

Stärkenorientierung steuern: „Ich kann besonders gut…, deshalb würde ich gerne mehr… und weniger… Sehen Sie das auch so?“ Wer entlang der eigenen Stärken arbeitet, arbeitet motivierter, leistungsfähiger, nachhaltig gesünder. In Jahres- und anderen Gesprächen mit der Führungskraft sollte es daher möglichst immer wieder um die eigenen Stärken gehen. Ich habe über das Thema gepodcastet und geschrieben.

Wertschätzung wagen: Wer die Chefin oder den Chef lobt, gilt in manchen Unternehmenskulturen schnell als – pardon: Arschkriecher. Aber Führende werden häufig umso einsamer, je weiter sie aufsteigen, auch sie freuen sich über Lob und Wertschätzung. Sagen Sie Ihrer Vorgesetzten ruhig auch mal, zum Beispiel zum Jahresende, was Sie an ihr schätzen, mögen, bewundern. Wird ihr gut tun und kann dem Klima auch nicht schaden!

Zielführende Zeiten: Sie kennen das sicher von sich selbst – es gibt so diese Tage… Suchen Sie sich, vor allem für schwierige, unangenehme Anfragen und Themen einen günstigen Zeitpunkt, statt den Chef mit Ich! Hier! Jetzt! Sofort! zu überfordern. Sagen oder schreiben Sie so etwas wie: „Wann könnten wir die Tage mal eine halbe Stunde sprechen über…“ Damit zeigen Sie Ihrer Führungskraft, dass sie ihre Zeitsouveränität wahren und achten.

Zuverlässigkeit zeigen: Wenn Ihre Präsentation am Mittwoch um 18.00 bei der Führungskraft liegen soll, dann sorgen Sie dafür, dass sie ihr am Mittwoch um 18.00 vorliegt. Und wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht klappt: Geben Sie so schnell wie möglich der Führungskraft Bescheid, dass und warum das schwierig wird. Gegebenenfalls kann sie Unterstützung organisieren, selber helfen, Verantwortlichkeiten umshiften.

Welche Erfahrungen mit Managing Up haben Sie gemacht? Was hiervon funktioniert für Sie? Was noch nicht? Was außerdem? Ich freue mich auf Nachricht!

Wenn Sie mehr wissen wollen

Hier einige Angebote von mir, wenn Sie mehr von mir zu positive Leadership hören, lesen, wissen, erleben wollen:

🎧 In der aktuellen Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ geht es um Positive Leadership bei LIDL Österreich. (Der Podcast und ich freuen uns übrigens über Abos und freundliche Bewertungen!). Auf den einzelnen Plattformen hier zu hören👇🏼

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Mit positiven Grüßen

Christian Thiele

P.S.: Sie machen das gut!

Christian Thiele: „Positiv führen in schwieriger Zeit“ (Haufe Verlag, Mai 2020)

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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