Ein verfrühter Nachruf – auf Dich

CHRISTIAN THIELE

0  KOMMENTARE

Es ist Allerheiligen, mal wieder ein Feiertag in Bayern. Und ich denke, passend zum Tag und zum Monat, über die Toten, die Sterblichkeit und den Tod nach. Traurig. Und dankbar. 

Und das solltest Du vielleicht auch. 

Denn in all dem Gesumse und Gewusle wird uns manchmal gar nicht klar, worum es überhaupt geht im Leben. Gerade für Führungskräfte ist es in diesen Zeiten des Umbruchs, des Gegenwindes, der Ungewissheit wichtig, immer mal wieder auf den eigenen Kompass zu schauen. Auf das Große Ganze.

Und mit dem Blick auf den eigenen Tod gewinnt das Leben nochmal eine andere Bedeutung.

Deshalb schlage ich hier vor: Schreibe einen Nachruf auf Dein Leben. 

Ein möglicherweise erstmal irritierender Vorschlag. Aber Studien legen nahe, dass diese Übung das Gefühl von Dankbarkeit verstärken, depressive Symptome mindern und das Wohlbefinden steigern kann. Wer das alles nachlesen mag – hier drei Studien dazu: 

> Araceli Frias, Philip C. Watkins, Amy C. Webber & Jeffrey J. Froh (2011) Death and gratitude: Death reflection enhances gratitude, The Journal of Positive Psychology, 6:2, 154-162

> Chaves, C., López‐Gomez, I., Hervas, G. & Vazquez, C. (2016). A comparative study on the efficacy of a positive psychology intervention and a cognitive behavioral therapy for clinical depression. Cognitive Therapy and Research, 1‐17

> Seligman, M. E. P., Rashid, T., & Parks, A. C. (2006). Positive psychotherapy. American Psychologist, 61(8), 774–788.) 

Apropos Studien, kleine Nebenbemerkung: Der Positiven Psychologie und Führung wird ja gelegentlich vorgeworfen, sie sei eine Heititeiti-Wissenschaft. Das mag für vor allem frühe Phasen des Faches richtig gewesen sein. Aber längst hat die so genannte Psychologie Psychologie 2.0 bewiesen, dass sie für eine Integration aller Facetten menschlicher Erfahrung steht. Und nicht bloß für Milch und Honig. 

Zurück zum Nachruf. Und wie geht das jetzt konkret?

Stelle Dir vor, wie Du nach einem erfüllten und guten Leben stirbst. Vielleicht morgen, vielleicht in drei Jahren, vielleicht in 30 Jahren. Irgendwer wird irgendwo in irgendeiner Form (in einer Zeitung, in einem Social Media Post oder was auch immer es dann geben wird) einen Nachruf auf Dich lesen. Was soll darin stehen?

Teil eins:

Nimm Dir ca. eine Dreiviertelstunde Zeit, an einem für Dich passenden Ort. Handy, Musik, Mails: am besten aus! Stelle Dir vor, Du würdest jetzt Dein vergangenes Leben resümieren. Egal ob aus der Ich-Perspektive, aus der dritten Person, aus Sicht einer Freundin, Deines Partners oder oder oder.

Schreibe 20-25 Minuten lang über das Leben der Person, die gerade gestorben ist, zum Beispiel: 

  • was sie erreicht, beigetragen und geschaffen hat; 
  • was ihre Erfolge waren, was sie hinterlässt – und wie sie mit Niederlagen, Herausforderungen, Hürden umgegangen ist;
  • was ihre Prinzipien und Prioritäten waren, welche Werte ihr wichtig waren;
  • welche Stärken und Qualitäten sie ausgezeichnet haben, was man ihr gemocht und bewundert hat, woran man sich ihrer besonders erinnern wird.

Teil zwei, danach:

(AM BESTEN ERST WIRKLICH NACH TEIL EINS MACHEN!)

Nimm Dir nochmals ca. 20 Minuten Zeit und stelle Dir folgende Fragen:

  • Wie ging es Dir mit dem eigenen Nachruf?
  • Welche Gefühle und Gedanken sind Dir gekommen – wie haben sich diese verändert? Typischerweise ist die Übung anfangs häufig unangenehm und verändert sich dann in eine Erfahrung des Annehmens, der Wertschätzung oder auch des Staunens über das Leben und seine Möglichkeiten. (Bland, A. M. (2021). The existential obituary writing technique for emerging adults: Thematic and content analyses. The Humanistic Psychologist, 49(3), 435–458.)
  • Welche konkreten Handlungsimpulse, Ideen zu Veränderung sind Dir möglicherweise gekommen?
  • Wie verändert der Nachruf den Blick auf Deine Vergangenheit, Deine Zukunft, Dein jetziges Leben?
  • Was willst Du an Deinem Arbeiten, Deinem Führen verändern? Wovon soll es mehr werden, wovon weniger, was soll dazukommen, was soll aufhören?

Viel Gelingen und Gaudi bei der Umsetzung!


Ansonsten zu vermelden:

gepodcastet

… habe ich vergangenen Monat mit Dr. Oliver Haas von Corporate Happiness über das Was und Wie und das mögliche Zuviel von Positiver Führung:

https://positiv-fuehren.com/podcast/podcast-positiv-fuehren-folge-48-oliver-haas-corporate-happiness/

geschrieben

… habe ich ein neues Buch über Job Crafting, speziell aus Führungs- und HR-Perspektive, das demnächst erscheint – Details bald hier

… habe ich für die Personalwirtschaft einen neuen Beitrag zu meiner Kolumne „Konstruktiv Positiv“, Thema diesmal: die so genannten High Quality Connections (kein Telekom-Produkt…):

https://www.personalwirtschaft.de/themen/konstruktiv-positiv/


gesprochen

… habe ich mit Anna-Lena Kümpel für den „read only“-Podcast von Startup-Insider über positive(re) Mitarbeitergespräche:

https://startupinsider.podigee.io/1433-read-only-97

… habe ich mit Philipp Ketteler in seinem Podcast „Management meets Mindulness“ über Viktor Frankl und die Ernsthaftigkeit von Gaudi:

https://www.linkedin.com/posts/christianthiele_jobcrafting-positivepsychologie-positiveleadership-activity-6984388046821457920-WD-u?utm_source=share&utm_medium=member_desktop

… habe ich bei den Bayreuther Dialogen über die Freiheit, sich den eigenen Job stärker an die eigenen Bedürfnisse, Fähigkeiten, Stärken anzupassen

… habe ich in einem Teamworkshop für Johnson&Johnson eigentlich gar nicht so viel – wie es sich a) in Hamburg und b) bei einem Teamworkshop gehört, den Großteil der Arbeit hat das tolle Team erledigt!


geplant

… ist ein Beitrag von mir zum Online-Kongress „Zukunfssummit – Erfolgreich und erfüllt in einer neuen (Arbeits-)Welt“. Es sind viele spannende ExpertInnen dabei, ab sofort kannst du dir einen kostenfreien Platz reservieren: 

https://zukunftssummit.com/#aff=positivfuehren 

… ist mein nächstes Online-Seminar zu Positiver Führung Anfang Dezember, Info und Anmeldung zum Early-Bird-Tarif hier:

https://positiv-fuehren.com/seminar/

… ist beim CoachHub-Summit am 8.11. ein großartiges LineUp an Speakerinnen, wenn Ihr auch nach Berlin kommen wollt/könnt/mögt:

https://resources.coachhub.com/en/coachhub-summit-berlin-2022


genossen

… habe ich unter anderem ein sehr gutes Buch über Führung in/durch/trotz Krisen – dazu bald mehr (James/Wooten: The Prepared Leader, 2022)

… habe ich die Tour auf Deutschlands zweithöchsten Berg, den…. na, erraten? den schottrig-ausgesetzten Hochwanner. Eine feine Unternehmung, auch wenn’s lang, weit und föhnsturmig war:

https://www.bergtour-online.de/bergtouren/bergwanderungen/schwer/hochwanner/

… habe ich das Nachdenken über die kleinen Freiräume und den Mut, den es für Widerstand gegen Ungerechtigkeit braucht, in dem wunderbaren, höchst sehenswerten neuen Film „In einem Land, das es nicht mehr gibt“:

https://www.kino.de/film/in-einem-land-das-es-nicht-mehr-gibt-2022/

… habe ich mal wieder den Austausch in meinem Männerlesezirkel (kann ich nur empfehlen!) über das packende, gerade in Kriegszeiten sehr lesenswerte Buch „Die unsichtbaren Dörfer“ von Gino Vermicelli

… habe ich bei der immer wieder packenden Premiere des European Outdoor Film Festivals vor allem die abseitigeren, kleineren, exotischeren AbenteurerInnen in und jenseits der Berge 

https://de.eoft.eu/de/programme/


gedankt

… sei mal wieder dem 4Eck, einem zauberhaften Ort in Garmisch, wo ich gelegentlich Coachings mache und mindestens genauso gerne Essen gehe:

https://www.4-eck.com/

… sei Herbert Pixner und Band für ein „ächt schianes“ Konzert – nach bald drei Jahren Warten:

https://www.herbert-pixner.com/concerts/

… sei den Teilnehmenden des DGPP-Seminars „Positive Teams“, das ich leiten durfte, für vier inspirierende Tage – hier geht’s zur Neuauflage nächstes Jahr:

https://www.dgpp-online.de/pp-level-2

… gehört auch den Teilnehmenden des DGPP-Seminars „Toller Texten für tolle TrainerInnen“, das ich wiedermal mit großer Freude angeboten habe – auch hier gibt es ein nächstes Mal:

https://www.dgpp-online.de/learning-for-the-greater-good


Euch und Ihnen einen guten November mit möglichst wenig Nebel – aber der kann ja auch mal ganz schön sein – wünscht Ihnen und Euch

Euer und Ihr


Christian Thiele

P.S.: Ihr macht/Sie machen das gut!

Über mich:

Ich will mehr Gelingen und Glück in die Arbeit bringen – mit Seminaren, Coachings, Workshops, Keynotes zu positiver Führung. Für Führende, Teams, Organisationen. Wissenschaftlich fundiert und umsetzungsorientiert, auf Grundlage der Erkenntnisse und Tools von Positiver Leadership und Psychologie.

Wem der Artikel gefallen hat und mehr von/über mich wissen mag: Mich gibt’s auf Xing, LinkedIn, auf meiner Website – und in meinem Podcast "Positiv Führen", alles unter www.positiv-fuehren.com. Wer Fragen/Interesse hat: gern melden!

Haufe: Positiv führen. Stärken erkennen und nutzen.

Sei der Erste, der den Beitrag teilt!

Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

Das könnte Ihnen auch gefallen: 

Wie geht konstruktives Trennungsmanagement | Podcast „Positiv Führen“ | Folge 49, mit Claudia Michalski

Wie geht konstruktives Trennungsmanagement | Podcast „Positiv Führen“ | Folge 49, mit Claudia Michalski
{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>