Selbst! Mit!! Gefühl!!! Innere Komplizenschaft als Führungs-Kraft verstehen und nutzen

CHRISTIAN THIELE

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Angenommen, ich werde im Meeting angeschossen – von KollegIn X, ChefIn Y, KundIn Z. 

Angenommen, meine Zahlen, die ich nach oben zu liefern habe, sind miserabel. 

Angenommen, ich habe eine Fehlentscheidung getroffen.

Wahrscheinlich alles Situationen, die Sie als Führungskraft kennen dürften. 

Was machen Sie in diesen Situationen? Attacke? Flucht? Lähmung? Das wären die typischen Stressreaktionen. Mit oft nicht so ganz optimalen Ergebnissen.

Eine Möglichkeit, professionell und konstruktiv mit sich in schwierigen Situationen umzugehen: Innere Komplizenschaft oder Selbstmitgefühl. In der aktuellen Folge meines Podcasts »Positiv Führen« habe ich mit dem Hamburger Selbstmitgefühls-Experten Michael Merks über das Thema gesprochen. Hier in schriftlicher Form 8 Dinge, die Sie über Selbstmitgefühl (»self-compassion«) wissen sollten: 

1. Selbstkritik funktioniert meist nur begrenzt: Sich selbst kasteien für Fehler, Niederlagen, Irrtümer? Bringt meist wenig. Scham, Ärger und andere negative Emotionen verengen in der Regel das menschliche Denken, führen nicht zu neuen, innovativen Ideen, um die Malaise konstruktiv anzugehen.

2. Selbstmitgefühl ≠ Selbstwert: Lange Zeit galt in der Psychologie die Stärkung von Selbstwert als ein erstrebenswertes Ziel für viele Menschen. Bis sich, vereinfach gesagt, herausgestellt hat, dass Selbstwert häufig mit

  • narzisstischem Verhalten
  • Vorurteilen
  • permanentem Abgleich mit anderen
  • (passiv-)aggressiven Kommunikations- und Handlungsmustern korreliert.

Selbstmitgefühl ist zwar auch ein wohlwollender Blick auf uns selbst, eine positive Grundhaltung gegenüber der eigenen Person – aber ohne die Negativ-Folgen des HöherSchnellerWeiterMehr, das Selbstwert häufig mit sich bringt. Viel mehr geht es darum, dass Sie die eigene Solidarität, das Wohlwollen gegenüber Mitarbeitenden oder sonstwie anderen Personen auch sich selbst zusprechen können.

3. Selbstmitgefühl nützt – mir und anderen: Mehr vom Plus und Weniger vom Minus – so lassen sich die Studienergebnisse zu self-compassion zusammenfassen. Auch legen mehrere Meta-Studien, also Übersichtsarbeiten über verschiedene Einzeluntersuchungen nahe, dass Selbstmitgefühl zu mehr Wohlbefinden, höherer Selbst- und Lebenszufriedenheit und Optimismus führen kann – und gleichzeitig mit weniger ungünstigem Essverhalten, Gedankenkreiseln, Angstzuständen, Depressivität in Zusammenhang steht (unter anderem bei Zessin et al. 2015; Ferrari et al. 2019; MacBeth et al. 2012).

4. Selbstmitgefühl lässt sich trainieren: Kristin Neff, die das Konzept des Selbstmitgefühls erfunden, erforscht und in verschiedenenen Büchern verbreitet hat, definiert self-compassion wie folgt: "Selbstmitgefühl ist die Fähigkeit, sich selbst vollständig anzunehmen und sich der eigenen Person liebevoll zuzuwenden. Selbstmitgefühl beinhaltet, sich offen und wertungsfrei dem eigenen Schmerz, Fehlern und Unzulänglichkeiten zuzuwenden, so dass die eigene Erfahrung als Teil des menschlichen Lebens verstanden werden kann." Und das lässt sich üben.

5. Was Selbstmitgefühl übrigens nicht ist: Opferhaltung, Selbstmitleid, immer nur nett sein, Schwäche, Softness, Ambitionslosigkeit – all das sind Missverständnisse, die Führungskräfte gelegentlich in meinen Coachings oder Seminaren gegenüber dem Selbstmitgefühl vorbringen. Insbesonders jene, die vielleicht insgeheim von sich erwarten, immer stark, immer allwissend, immer in Kontrolle zu sein. Und die gleichzeitig von diesen Ansprüchen überfordert sind, vor allem in diesen Zeiten von Disruption und Ungewissheit. Aber Selbstmitgefühl ermöglicht es gerade, sich konstruktiv mit Kritik auseinanderzusetzen, es schafft den Raum für einen Boxenstopp in fordernder Zeit, es ermöglicht nachhaltige Stärke – und gegebenenfalls auch Härte, wenn nötig.

5. Ärger&Co annehmen – erstmal: Achtsam statt achtlos den eigenen Frust, Zweifel, Ärger oder was auch immer es ist wahrnehmen – Schritt eins! Innehalten, Raum schaffen für das, was gerade ist, möglichst neugierig und aufmerksam statt be- oder abwertend.

6. Mitmenschlichkeit: Statt sich zurückzuziehen auf sich selbst, statt zu glauben, Sie seien die einzige Person auf dem Planeten mit dieser aktuellen Herausforderung, denken Sie sich in die Vogelperspektive. Wem mag es wohl noch so gehen wie mir? Wer steht in ähnlichen Herausforderungen? Das ist die zweite Strategie von Selbstmitgefühl.

7. Selbstfreundlichkeit: Schritt drei heißt dann konkret: Fürsorge für sich betreiben. Was tut Ihnen in der Situation gut? Was hilft Ihnen? Was würden Sie jetzt für eineN FreundIn tun – und dürften Sie vielleicht gerade jetzt sich selbst angedeihen lassen?

8. Eine Geste oder ein Spruch: Vielleicht finden Sie ja eine Geste oder einen Spruch, eine Art Mantra, das für Sie Innere Komplizenschaft erlebbar und fühlbar machen kann. Einen konstruktiveren, menschlicheren Umgang mit sich selbst – das hört sich doch nicht so schlecht an, oder? Viel Erfolg und Spaß dabei!

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Mit positiven Grüßen aus Partenkirchen, wo wieder die Kühe und Schafe auf der Weide muh-en und mäh-en,

Euer und Ihr

Christian Thiele

P.S.: Ihr macht/Sie machen das gut!

Über mich:

Ich versuche, mehr Glück in die Arbeit zu bringen – mit Seminaren, Coachings, Workshops, Keynotes zu positiver Führung. Für Führende, Teams, Organisationen. Evidenzbasiert und wissenschaftlich fundiert, auf der Haltung und den Erkenntnissen der Positiven Psychologie gegründet – und gleichzeitig ganz praxisorientiert und hands-on.

Wem der Artikel gefallen hat und mehr von/über mich wissen mag: Mich gibt’s auf Xing, LinkedIn, auf meiner Website – und in meinem Podcast "Positiv Führen", alles unter www.positiv-fuehren.com. Wer Fragen/Interesse hat: gern melden!

Haufe: Positiv führen. Stärken erkennen und nutzen.

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Christian Thiele

ÜBER DEN AUTOR

Mehr Leistung, Freude, Gesundheit und Sinn, mit den Methoden der Positive Leadership: Darum geht es mir in meiner Arbeit als Coach, Trainer, Teamentwickler und Vortragsredner. Für Führungskräfte, Teams und Organisationen. Verliebt, verlobt und bald verheiratet mit Christiane. Vater. Skitourengeher.

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